Körperliche Fitness als Trumpf in der Corona-Prävention! Aber wieviel Sport ist gesund?

von Miriam Birtz-Wagenbichler Tuesday, 17. November 2020 MyBodyWorks 0 Kommentare

Im Netz und durch Interviews von sogenannten Experten in allen möglichen Disziplinen, werden Informationen über Bewegung und ihre gesundheitliche Wirkung verbreitet.

Die Sportwissenschaft, die genau diese Thematik zu ihrem Fachbereich gemacht hat, klärt auf.

Zuerst sollte man aber klarstellen, dass es durch sportliche Tätigkeit, wie auch durch andere Einflussgrößen, keine absolute Sicherheit über den Verlauf einer Covid19-Erkrankung geben kann. Wie das jeweilige Immunsystem auf einen Erreger reagiert, hängt ganz allein von ihm und dem jeweiligen Körpersystem ab.

Was aber wissenschaftlich untermauert ist, ist die Wirkung von Bewegung auf das Immunsystem.

Dafür muss man sich prinzipiell ansehen, wie Bewegung auf den Körper wirkt. Jede sportliche Bewegung hat einen Wirkverlauf. Das bedeutet, zuerst wird der Körper einer höheren Belastung ausgesetzt. Dies schwächt den Körper kurzfristig. Im Sport nennt man es das Open-Window-Phänomen. Und in dieser kurzen Phase ist der Körper anfälliger. Je höher die Belastung, umso schwächer die Abwehr. Jedoch bekommt der Körper Zeit zur Regeneration, beginnt er automatisch mit der Wiederaufbauphase. Er regeneriert sich nicht nur bis zum Ausgangslevel, sondern auch darüber hinaus. Dementsprechend wird er stärker und widerstandsfähiger. Er hat gelernt.

Geben wir dem Körper aber nicht ausreichend Zeit, um sich zu regenerieren, sondern setzen wir die Belastungen zu hoch mit zu kurzen Erholungsphasen, dann forcieren wir einen sogenannten Übertrainingseffekt. Der Körper kommt dauerhaft in einen Bereich, der ihn und sein Immunsystem schwächt.

Was bedeutet das nun für die Praxis?

Es gilt das richtige Maß von Bewegung zu wählen. Zuerst sollte auf die Intensität der Belastung geachtet werden. Laufen mit einem hochroten Kopf und hechelnder Atmung ist definitiv zu hoch. Das Herz-Kreislauf-System wird zu stark belastet und der Körper wird nur mit wenig Sauerstoff versorgt. Ein Übertraining und eine Schwächung des Körpers und seinem Immunsystem, ist vorprogrammiert. Zudem wird über kurz oder lang auch die Motivation schwinden, weil nur quälen auf Dauer auch keinen Spaß macht.

Aber auch tägliches Fitnesstraining im mittleren Belastungsbereich kann zu einer Überlastung führen. Hier ist die Trainingsdichte, sprich wieviele Trainingseinheiten pro Woche gewählt werden, ausschlaggebend. Tägliche Reize, die gut tolerierbar sind, können ein zu viel werden, da keine oder zu wenig Regenerationspause eingebaut werden. Der Körper braucht die Phase der Erholung, um sich aufzubauen.

Ebenfalls sollte man in seine Überlegungen, die Wahl der Trainingsmethode einbauen. Der Körper hat unterschiedliche sportliche Grundfähigkeiten. Die bekanntesten sind die Ausdauer- und Kraftfähigkeit. Dass der Körper aber viel mehr braucht, als nur diese 2 Komponenten zeigt er uns schon durch diverse Schmerz- und Funktionsprobleme. Gerade die Wirkung des Beweglichkeitstrainings auf die Gesundheit und die Funktionstüchtigkeit des Körpers wird durch die Faszienforschung belegt.

Deshalb sollten in einem Trainingsplan alle Komponenten, wie Ausdauer, Kraft, Koordination, Beweglichkeit und Schnelligkeit, verpackt werden.

Wenn man nun alle Überlegungen zusammenfasst, dann zeigt sich, dass es einfach ist, sich zu bewegen. Es braucht aber etwas mehr Überlegung, damit das Training auch Sinn macht. Das richtige Verhältnis, je nach Person, Sportart und Ziel ist hier der Erfolgsfaktor.

Damit dies möglich ist, ist guter Rat empfehlenswert. Deshalb empfiehlt die Sportwissenschaft eine genaue Ist-Analyse der aktuellen persönlichen Situation. So, wie ein Arzt eine Anamnese macht, um eine Krankheit richtig einschätzen zu können, braucht auch ein Körper eine genaue Analyse, um sich sinnvoll weiterzuentwickeln.

Sportwissenschaftliche Anamnesen mit einer passenden Leistungstestung bringen Aufschluss, was der Körper braucht und wie er trainiert werden soll.

Meine Kollegin, Anita Birklbauer, Sportwissenschafterin, erklärt welchen Nutzen ein Ausdauerleistungstest für das Training bringt.

"Ein Leistungstest beantwortet alle Fragen zur Leistungsfähigkeit und zum Training. Man kann die Trainingsbereiche erfassen. Man sieht ob jemand Hochpulser oder vielleicht auch schon im Übertraining ist. Jeder Leistungssportler beginnt seine Vorbereitung mit einem Leistungscheck. Was spricht bei einem Breitensportler dagegen? Egal ob Leistungssportler, Breitensportler oder Personen, die in der Rehabilitationsphase sind, jeder sollte sein Ausgangslevel wissen, damit er bzw. sie weiß, wie trainiert werden sollte, um dem Körper nicht zu viel zuzumuten und doch seine Leistung steigern zu können."

Anita Birklbauer berichtet aber auch davon, dass es für viele eine Hürde ist, sich einer Leistungstestung zu unterziehen. Manche meinen, dass sie für einen Check zu wenig trainiert sind. Doch darum geht es nicht. Der Test soll die aktuelle Situation der körperlichen Leistungsfähigkeit feststellen, damit gerade in der aktuellen Situation das richtige Maß von Bewegung und Erholung gewählt werden kann. Wenn du nicht weißt, wo du ansetzen kannst, ist die Wahrscheinlichkeit, dass du deinen Körper unter- oder überforderst, hoch.

Und genau hier hat die Leistungsdiagnostik einen sehr hohen gesundheitlichen Nutzen. Egal, welches Trainingsziel du verfolgst, die Leistungsdiagnostik ermöglicht dir richtig dosierte Bewegung, die deine Gesundheit und somit auch dein Immunsystem stärken.

Sie sagt dir, im Bereich der Ausdauer, in welchem Verhältnis du niedrige und höhere Belastungen setzen solltest. Sie gibt an wie dein Kräftigungstraining aussehen sollte und wie du deine Planung einteilen kannst, damit dein Körper stärker, widerstandsfähiger und leistungsfähiger wird. Denn der Vorteil eines fitten und funktionstüchtigen Körpers ist ein starkes und funktionsfähiges Immunsystem.

Im Rahmen einer sportwissenschaftlichen Beratung und Betreuung ist es möglich sich sein individuelles Ziel und seinen individuellen Weg mit einer Fachperson zu erarbeiten. Dafür steht die Sportwissenschaft mit ihrer Expertise. Sie begleitet diejenigen, die sich auf ihren Weg zu einem gesunden und leistungsfähigen Leben machen wollen.

Alles Liebe,

deine Miriam (Sportwissenschafterin ;-) )