Corona - mein Unternehmen - warum hilft mir keiner?

von Miriam Birtz-Wagenbichler Saturday, 25. April 2020 MyBodyWorks 0 Kommentare

Vielleicht zuerst mal kurz zu meiner Person. Ich bin Sportwissenschafterin. Ich bin Unternehmerin. Ich arbeite seit 2010 ehrenamtlich für die Wirtschaftskammer Wien. Ich arbeite ehrenamtlich (d.h. ich bekommme keinen Cent) seit vielen Jahren für den Verband von SportwissenschafterInnen. Weißt du, welches Mantra mich da über die vielen Jahre begleitet hat? Du darfst gern alle Zeit in die ehrenamtliche Tätigkeit reinstecken, auch wenn dein Beruf und deine Familie darunter leidet, aber du darfst dich nicht in den Vordergrund stellen (also bitte nenne nie deine Firma oder ziehe irgendeinen anderen Nutzen aus deiner ehrenamtlichen Tätigkeit), denn das könnte gegen dich verwendet werden. Du könntest angefeindet werden und jemand könnte sagen, dass du deine Position ausnutzt.

Unter diesen Gesichtspunkt, frage dich, ob DU diesen Job übernehmen würdest?

So, nun aber weg von mir. Hin zu den Strukturen, die dich vertreten wollen. Diese Strukturen haben sehr sehr sehr viele Regeln und Normen, die es einzuhalten gilt. Wir müssen ja eine Einheitlichkeit ermöglichen. Ein Schulterschluss muss möglich sein. Diese Strukturen sind aber auch sehr sehr sehr komplex und verzweigt. Dann haben diese Strukturen auch noch Verpflichtungen gegenüber der Regierung, dem Gesetz, den anderen Berufsvertretungen usw.

So und jetzt machen wir mal einen Gedankensprung zu jedem Einzelnen. Wenn ich allein entscheide, ohne mich abzustimmen, dann kann ich machen was ich will. Muss ich mich mit meiner Familie abstimmen, dann muss ich alle Bedürfnisse in einen Topf hauen und das beste aus dieser Zusammenstellung machen. Wenn ich jedoch noch einen Schritt weitergehe, und mich mit mehreren Familien koordinieren muss, weil man gemeinsam z.B. ein Fest plant, wo jeder mitmachen möchte, dann muss ich mich nochmals mehr hinten anstellen und schauen, dass man eine gemeinsame Lösung finden kann. Dass da nicht jeder genau seine Lösung bekommt, ist wohl klar.

Und jetzt kommt aber der Kern meiner Aussage. Wir kommen hin zu den Wünschen des Einzelnen und, in Bezug auf das Corona-Berufsvertretungsthema, derjenigen, die vertreten werden wollen. Wenn im Falle des oben genannnten Festes der Einzelne sich nicht einbringt, sondern alle anderen schalten und walten lässt, dann wird vielleicht das Fest etwas von den Bedürfnissen des Einzelnen abdecken. Aber genauso groß ist die Chance, dass der Einzelne nicht gesehen wird und frustriert ist.

Was will ich damit sagen? Wir sind alle, in unterschiedlichen Situationen, bequem oder auch obrigkeitshörig und geben den anderen die Verantwortung für unser Leben. Und dann wundern wir uns, wenn unsere Wünsche nicht gesehen werden.

Glaubst du nicht, dass es besser ist, wenn du die Verantwortung für dein Leben und deine Zukunft selbst übernimmst?

Und wenn du jetzt meinst, dass du ja keine Chance gegen Instanzen hast, die über dir stehen, dann sag ich dir, ist das der größte Trugschluss, den du in deinem Leben getroffen hast.

Denn du hast, mit deiner Passivität, den anderen die Möglichkeit gegeben über deinen Kopf hinweg zu entscheiden. Du bringst dich nicht ein. Du trägst nichts dazu bei. Seine Stimme erheben und seine Meinung kundtun ist schon einmal der erste Schritt. Aber ändern wird sich nur etwas, wenn du mitwirkst.

Und da hilft schon jede Kleinigkeit.

Und ja es gibt Strukuren, die dich aufhalten. Und ja es gibt Einstellungen von anderen, die nicht zu deinen passen. Das ist unsere Demokratie. Aber das Gute ist, wir können mitwirken.

Wohlüberlegt, alles gut in Betracht gezogen und abgewogen und dann sinnvolle Schritte gesetzt. Das ist das Geheimnis. Und du brauchst nicht auf einem Regierungsbankerl sitzen. Du kannst die Menschen auch von der Basis überzeugen. Denn die größte Macht liegt in der Basis!!!

Also überlege dir mal, was du tun kannst, bevor du wie Don Quichotte gegen Windmühlen kämpfst.

Tausche dich dann mit anderen aus und profitiert von einander. Und bitte, bitte, bitte lasst diese Vision: Es kommt Eine oder Einer, die oder der mich erlösen wird! Denn dann brauchst du einen sehr langen Atem und Geduldsfaden. Und Geduld ist gerade nicht das, womit sich diejenigen auszeichnen, die jetzt so laut nach einer Lösung rufen.

So, jetzt musste ich mal meinen Unmut kund tun.

Denn was ich in dieser langen Zeit meiner ehrenamtlichen Tätigkeit gesehen habe ist, dass viel geschrien wird aber die Bereitschaft zum Mitmachen nicht gegeben ist. Warum? Weil jeder feststellt, dass es vielleicht doch nicht so easy ist, sich für seine Berufsgruppe einzusetzen. Denn die Opfer, die man bringen müsste, unbequem oder nicht umsetzbar sind.

Sagt lieber mal danke schön und fragt, was ihr tun könnt.

Ich hätte da ein paar Vorschläge:

1. zeigt mit eurer Arbeit, dass ihr gut seid

2. präsentiert euch in den sozialen Medien von eurer besten Seite und präsentiert eure Expertise

3. teilt Beiträge und gute Aktionen eurer Kollegen - gemeinsam ist besser als Futterneid

4. nutzt Möglichkeiten aufzuzeigen z.B. Fragestunde mit Kogler im Fernsehen

5. verteilt Informationen, die euren Kollegen auch helfen könnte

6. Nutzt eure Kontakte und vernetzt diejenigen, die für euch sprechen mit den Kontakten, die ihr habt

6. und helft eurer Berufsgruppe in der Vertretung, auch wenn es kleine Beiträge sind

Ich glaube, das kann jeder Einzelne machen, ohne seinen Beruf oder seine private Zeit übermäßig zu strapazieren. Und je mehr mitmachen, umso lauter sind wir.

Alles Liebe,

Miriam

P.S.: und ich finde, jeder der sich ehrenamtlich einsetzt, hat es verdient einen Nutzen daraus zu ziehen. Und wer laut aufschreit, soll zuerst mal selbst seinen Beitrag leisten...